Die 5 BESTEN Whiskys aus der Standardrange (Preis/Leistung)

Wenn sie erst einmal in einer Bar oder bei einem Freund mit dem Whisky angebändelt haben, sich da so etwas wie Liebe entwickelt hat und sich jetzt auf diesem Blog befinden, dann benötigen sie vermutlich Hilfe, damit diese Liebe zum Whisky so richtig an Fahrt gewinnt. 
Lassen sie es mich so ausdrücken: Sie sind an der richtigen Adresse!

Im folgenden Artikel möchte ich ihnen meine persönlichen Preis-, Leistungs- und Geschmackssieger von Standardabfüllungen vorstellen und ihnen eine Hilfestellung geben, um eventuell den ein oder anderen Whisky in ihre Hausbar aufzunehmen.

Was sind Standardabfüllungen?

Man unterscheidet zwischen Standardabfüllungen, sprich Abfüllungen von den Destillerien selbst, die meist durch die Optik der Flasche mehr als durch ihren Geschmack punkten können und unabhängigen Abfüllungen, die nur ausgewählte Fässer von namenhaften Herstellern meist als "Single-Cask" abfüllen. Die zuletzt genannten Abfüllungen sind meist limitiert (aus einem Fass kommen nur ca. 300 Flaschen heraus) und einzigartig, denn jedes Fass ist anders. Man spricht hier von hochqualitativen Whiskys die auch durchaus schnell vergriffen und im Wert steigend sind. Das heißt nicht, dass diese Whiskys in erster Linie teuer sein müssen, aber sie gehören eben nicht zum Standardrepertoire der Destillerien. Die sogennanten Standards sind im Endeffekt Massenware, zu finden in Duty Free Shops weltweit und zum Teil auch im Supermarkt. Das heißt nicht, dass wir hier schlechte Whiskys geboten bekommen. Ganz im Gegenteil gibt es auch Destillerien, die ihre Fässer nicht zum Verkauf anbieten und von denen es somit gar keine Single Cask Abfüllungen geben wird. Es gibt zum Beispiel auch Destillerien von denen selbst Single Cask Abfüllungen angeboten werden, die also ihre hochqualitativen Whiskys selbst anbieten - und die ich hier in diesem Artikel mit zur Standardrange zähle. Alles verwirrend aber wenn sie einen Moment drüber nachdenken recht simpel.

Wir beschäftigen uns hier aber nur mit mehr oder weniger erschwinglichem Whisky in der Preisrange von 30-70 €. 


Welche Leistung kann ich für welchen Preis erwarten?


Zunächst möchte ich nochmal darauf hinweisen, dass dies alles meine persönliche Einstellung zu dem Thema ist und ihre Einstellung komplett anders sein kann. Die Leistung eines Whiskys setzt sich für mich klar aus Nosing und Tasting zusammen und aus der Herstellungsart. Nosing und Tasting sollte klar sein, Geschmack und Geruch sollten die wichtigsten Kriterien für die Auswahl eines passenden Tropfens sein. Mit Herstellungsart meine ich nun aber nicht ob er nun aus dem Sherry-Fass oder einem Bourbon-Fass kommt, sondern vielmehr wie er hergestellt wird.

Whiskys in der Standardrange haben Chargen von 10.000 Flaschen und mehr und werden aus vielen verschiedenen Fässern der Destillerien zu einem (theoretisch zumindest) immer gleichen Ergebnis zusammengeblendet. Damit das Ergebnis auch faktisch immer die gleiche Farbe hat wird Zuckerkulör als Färbemittel hinzugesetzt. Für mich ist das färben von Whisky immer ein schwieriges Thema. Häufig werden Fässer mehr als einmal verwendet, denn der Whisky soll ja maximalen Profit für die Destillerien abwerfen. Natürlich verliert ein Fass nach jeder Nutzung an Geschmack, welcher dann eben auch nicht an den Whisky abgegeben wird - gleichzeitig sind auch weniger Farbstoffe im Fass, was den Whisky dann deutlicher heller erscheinen lässt. Man bekommt also zum Teil Whisky ohne Altersangabe und mit Farbstoff verkauft und soll sich damit zufrieden geben "weil ihn alle mögen". Horst Lüning von Whisky.de hat dazu auch schon einiges publiziert.
Für mich gehört so etwas nicht in einen Whisky, aber Farbstoff macht einen Whisky auch nicht unbedingt schlecht (siehe meinen Blogpost über Nikka from the Barrel). Ich kann mir allerdings auch nicht vorstellen, dass das Geschmackserlebnis ohne Zuckerkulör das gleiche ist wie mit dem Farbstoff - Zucker im Tee verändert ja schließlich auch den Geschmack und selbst wenn man nun das Argument bringt auf 1000 liter kämen ja nur ein Fingerhut, so möchte ich dagegenhalten: Homöopathie kann der Gesundheit zuträglich sein.......

...Entscheiden sie für sich - letzten Endes zählen der Geschmack und die Nase und das sind auch die Punkte auf denen meine Bewertung hier hauptsächlich basieren soll. Ich stelle hier schlicht keinen mit Farbstoff versetzten Whisky vor:

5. Platz: The Balvenie 12 Years Single-Barrel

Die Balvenie Destillerie gilt als eine der besten Destillerien weltweit. Bitte verwechseln sie diese Flasche hier nicht mit den Flaschen aus dem Duty Free Bereich, denn sie ist dort meistens nicht zu finden. The Balvenie Doublewood, Triplewood und andere bekannte Flaschen sind leider alle Massenware und mit Farbstoffen versetzt - und im Vergleich zu dieser Flasche hier, die man für 50 € erwerben kann - sind die anderen in meinen Augen einfach überteuert. Diese Flasche, die ich ihnen hier vorstelle ist eine der wenigen Single Cask (oder Barrel) Abfüllungen von großen Destillerien - was mir persönlich zeigt, dass in diesem Unternehmen aber auch auf hohe Qualität geachtet wird. Alle Flaschen sind mit Fass und Flaschennummer versehen und werden aus erstbefüllten ex-Bourbon Fässern gewonnen. Ein wahres Vanillewunder - eben ein klasse Dram aus dem ex-Bourbon Fass. Die Balvenie Destillerie hat auch andere ältere bis sehr alte Drams die sicherlich Spaß machen - achten sie darauf, dass kein Farbstoff zugesetzt ist und sie können bei The Balvenie nichts falschen machen. Sie bekommen hier außerdem eine sehr schöne Flasche und Box, die sich in einer Glasvitrine sehr gut machen.

4. Platz: Highland Park Aged 12 Years

Viele, die meinen etwas von Whisky zu verstehen, trinken "nur noch" Whisky aus dem ex-Sherryfass oder "nur rauchige Whiskys". Leute die sich nur wichtig machen möchten, behaupten dass sie bei 1-2 Gläschen im Jahr natürlich "nur" rauchige Tropfen mögen und der Rest schlecht ist. Ich bin der Auffassung, dass ex-Bourbon gelagerter Whisky auch schön ist und man es nicht nicht zwingend rauchig braucht, aber: Hier ist ein Vorzeigewhisky aus dem Sherryfass, was für gewöhnlich einen preislichen Segmentsprung ausmacht, so aber nicht bei dem 12 jährigen Highland Park. Leicht getorftes Malz sorgt für eine ganz kleines bisschen an Rauchigkeit, aber vermutlich nicht genug um sich wichtig zu machen (und ganz sicher nicht genug um Angst davor zu haben). Eine wunderbar schwere, ölig-süße Sherrynote mit einer Menge von dunklen Beeren und Trockenfrüchten geht in schokoladigen Noten und einem Hauch warmen Rauches ab. Und für 33-40 € ist der Highland Park sicher ein Schnäppchen, denn durch die Sherrylagerung benötigt dieser Whisky sicherlich keinen Farbstoff. Leider sind Sonder- und ältere Abfüllungen von Highland Park im hochpreisigen Segment angesiedelt, aber sicherlich sind alle Highland Park Flaschen einen Kauf wert! 

3. Platz: Benromach 10 Years 100 Proof

Der Benromach 10 Jahre 100 Proof (57 vol%) war ein Whisky, den ich lange ins Auge gefasst hatte, aber nicht so recht wusste ob er gut ist. Natürlich aufgrund der extrem coolen Flasche für meine Vitrine. Bevor ich ihn probierte auf der Open Whisky 2017 in Hannover (das ist ein Link zu einer Seite wo viele Whisky Messen Deutschlands aufgeführt sind - falls sie Interesse haben) wusste ich nur, dass er so den ein oder anderen Award gewonnen hat. Destilliert in einer Destille, die noch nicht so lange wieder am laufen ist, wird der Benromach gelagert und abgefüllt - und das von keinem geringeren als einem der größten unabhängigen Abfüller: Gordon & MacPhail. Wenn sich jemand mit gutem Geschmack auskennt, dann Gordon & MacPhail, und dieses ganze Wissen ist sicherlich in diesen Whisky geflossen. Auch hier muss aufgepasst werden: Eine leichte rauchig, phenolige Note hat auch dieser Whisky, aber wirklich kaum spürbar. Eine Geschmacksexplosion findet statt und Aromen überfluten einen - da ist ordentlich Power drin! Ein wunderbarer ex-Sherry Whisky, dem ich wärmstens empfehlen kann. Es gibt ihn auch in 43 %iger Trinkstärke für unter 40 € und als 100 proof für etwas mehr als 50 €, aber das ist er wert.

2. Platz: Tomatin Port-Wood Finish 14 Years

Ein ungewöhnlicher Whisky, aber mittlerweile in der Core Range von Tomatin vertreten. Ein 14 jähriger Whisky, was ein schönes Alter für einen preisgünstigen Whisky ist, der in Portweinfässern nachgereift wurde. Ich habe einen Tomatin Single Cask Whisky, den ich aus London mitgebracht hatte und der mir sehr gefiel und so habe ich diesen hier für einen Freund ausgesucht (bei dem ich ihn natürlich schon getrunken habe). Es ist diesmal ein rauchfreier Whisky und vergleichsweise süß-herb mit frischen und Trockenfrüchten im Geschmack. Ein sehr weicher und süffiger Whisky, mit nussigen, vanilligen Noten und Eichenholz im Hintergrund. Wenn man etwas danach sucht (oder sich etwas einbildet) findet man auch die "Bananen-Note" die ein einzigartiges Charakteristikum ist für Tomatin Whisky. Ein großartiger Tropfen und ziemlicher underrated, wenn sie mich fragen. Portweinfässer eigenen sich offensichtlich sehr gut für die Whiskyveredelung!

1. Platz: Glendronach 12 Years

Ein wundervoller Dram aus dem Sherryfass und ohne Rauch ist mein persönlicher Preis/Leistungssieger - der GlenDronach 12 years old. Er bringt alles mit, was man von einem 12 jährigen ex-Sherryfass gelagerten Whisky erwartet: Keine Kühlfilterung für maximales Geschmackserlebnis bei einer Trinkstärke von 43 %vol., natürliche und vor allem volle, dunkle Farbe ohne jeglichen Zusatz, ein vollmundiges Nosing und Geschmackserlebnis bei einem Preis unter 40 € die Flasche! Lassen sie sich nicht lumpen und kaufen sie sich den GlenDronach!
Der GlenDronach 12 Years besticht vor allem erstmal durch seine bernsteinrote Farbe. In der Nase ist er eine echte Sherrybombe, voller Würze, Zimt, Rosinen, Eichenholz und Vanille. Er ist ölig und süffig, mit Noten von roten Beeren, rotem Pfeffer, Eichenholz und Rosinen, in der Mitte runden zunächst Honig, dann trockener Wein den Geschmack ab und so läuft er in süßer Vanille aus. Der Abgang hält lang an mit vanilligen und holzigen Tönen.
Dazu kommt er in einer wirklich schönen Umverpackung und mit schönen Etiketten. Von der GlenDronach Destillerie bekommt man auch durchaus eigene Single Cask Abfüllungen, sowie unter anderem von The Maltman. Aber auch die Standardrange ist echt sehr gut, so habe ich auch erst kürzlich den GlenDronach 18 Years probiert - ein gewaltiges Erlebnis.
Der GlenDronach 12 bietet einem also alles was man braucht und schmeckt dabei sehr gut. Dazu ist der Preis mehr als angemessen und die Flasche macht sich gut in der Vitrine.

Damit wären wir am Schluss angekommen und ich verabschiede mich - wie immer - mit einem

Gönnen Sie sich!
Ihr Fine-Stuff Enthusiast

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