Hype auf japanische Whiskys - Der Nikka from the Barrel

Der Hype auf japanische Whiskys erreichte 2013  mit der Ernennung des Yamazaki Sherry Cask Edition durch Jim Murray zum weltbesten Whisky seinen Höhepunkt. Jim Murray ist einer der feinsten Schluckspechte der Welt - denn als Herausgeber der jährlich erscheinenden Whisky Bible (hier die 2017 Ausgabe auf Amazon) setzt er jedes Jahr die Messlatte - und dafür trinkt er offensichtlich jedes Jahr ungefähr 750 Whiskys. Kennt man Jim Murray persönlich und weiß vorab bescheid, so würde man in Brokerkreisen sicherlich vom Insiderhandel sprechen. Der Yamazaki Sherry Cask 2013 kostete vor der Ernennung, sofern man dem Spiegel glauben schenken kann, 130 € pro Flasche. Heute kostet besagter Whisky 3499 € und Preise steigen stetig - selbst die Jahrgänge die danach kamen starten heute bei 1500 € für eine Flasche. Das entspricht 2700 % Wertgewinn - heute nicht mal eben mit Bitcoins zu erreichen. Und obwohl ich wahrscheinlich nie in den Genuss einer solchen Flasche oder eines einzelnen Drams kommen werde (eine Träne läuft meine Wange in diesem Moment herunter), so weiß ich aber doch um die Güte japanischen Whiskys bescheid.
Die schottische Whiskybrennereien hatten zwischenzeitlich einen schweren Stand. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass Jim Beam damals immer mehr und mehr schottische Destillen aufkaufte, da sie günstig am Markt waren. Im Jahr 2014 kaufte der japanische Suntory Konzern für 16 Millarden dann Jim Beam auf und so ist es heute auch nicht weiter verwunderlich, dass den Japanern damit ca. 50 % der schottischen Destillen gehören und desweiteren eine prozentual auch nicht geringer Anteil der amerikanischen Bourbon Herstellung. Fässer für die schottische und japanische Whiskyherstellung sind, laut schottischem Recht, immer gebrauchte Fässer - die zu einem großen Teil ex-Bourbon Fässer sind (sprich Fässer aus Amerika, wo laut amerikanischem Recht nur neue Fässer verwendet werden dürfen). Die Produktionskette läuft also bei Suntory und durch den seit einigen Jahren (trotz Totsagung) weiterhin bestehenden Whiskyboom (hier ein schöner Artikel) ist es denke ich auch nicht verkehrt noch heute in Suntory zu investieren.

Aber nun zu einem japanischen Whisky, der in keiner gut aufgestellten Hausbar fehlen sollte - der Nikka from the Barrel. Nikka, eine weitere sehr große Destillerie der japanischen Whiskyhersteller, die nicht zu Suntory gehört, macht ebenfalls preisgekrönten Whisky.
Ein Dram, der sich in der Standardrange locker von den schottischen Destillen abhebt und dabei günstiger ist als vieles andere ist der besagt Nikka from the Barrel. Er kommt in einer 0,5 l Flasche daher und mit einem eher weniger sexy Schraubverschluss. Der Preis liegt zwischen 33-40€ und ist ein echtes Schnäppchen für einen so guten Whisky - da sollen die Japaner meinetwegen auch lieber an der Flasche als am Inhalt sparen.
Die Farbe, sofern man der Etikettierung glauben darf, kommt leider vom Zuckerkulör - wie es z.B. auch bei Talisker und Glenfiddich der Fall ist - und wovon ich sicherlich kein Fan bin. Nein, ich würde sogar sagen, dass mir die Vorstellung von Zucker in dem teuren Zeug schon beinah die Lust am Genuss nimmt.
Der Nikka from the Barrel ist ein blended Whisky ohne Agestatement und für den Preis sollte man da zunächst nicht zu viel erwarten - aber es kommt anders als man denkt. Ereignet sich das Ausgießen aus der vollen Flasche zunächst etwas schwierig, so schießt einem doch gleich eine geballte Faust von Aromen ins Gesicht. Ein wahres Feuerwerk an Düften die bei genauerem Nosing ein komplexes Geflecht aus Holz, Honig und Trockenfrüchten ergeben.
Ich denke für meine Erfahrung mit japanischem Whisky kann ich gut und gerne ein Schlüsselwort, dass auch der japanische Raum geprägt hat, nennen, welches das Geschmacks- und Geruchserlebnis nur all zu gut wiedergibt: Umami. Die sechste Geschmacksrichtung.
Kochen die Asiaten in ihrer Küche viel mit Geschmacksverstärkern und bezeichnen sozusagen die Fülle des Geschmacks als umami, so finden wir diese Fülle auch im Whisky (jedoch keine Geschmacksverstärker - Gott sei Dank).
Der Nikka from the Barrel ist wahrscheinlich auch deshalb so füllig, weil dieser Blend in Fassstärke abgefüllt wird und dazu noch ohne Kühlfilterung. So haben wir immer ungefähr 52 vol% aber auch das volle Aroma (der Alkoholgehalt variiert von Charge zu Charge natürlich dementsprechend).
Die 52 vol% zeigen sich aber nicht im Mund, denn ohne Wasser lässt sich dieser Whisky trotzdem super trinken und man bekommt das volle Paket geboten, mit der vollen Palette. Zunächst tritt das Holz an, trocken und dunkel, und eine leichte bittersüße strömt auf die Zunge, welche vermutlich von Grain-Whisky kommt. Langsam aber sicher weichen die Holztöne immer feiner werdenden, sich abwechselnden süß-bitteren Geschmäckern. Dabei ist er schön ölig im Mund wie auch im Glas, was sich anhand der Nips (den herunterlaufenden Tropfenströmen) zeigt:
Den Abschluss bilden Trauben und Rosinen (Sherry Einfluss?) mit Vanille und Honig und einem Hauch von Kaffee in einem sehr lang anhaltenden Abgang. Versetzt mit ein bisschen Wasser wird der Whisky deutlich herber und trockener, die Hölzer und die Eiche treten in den Vordergrund und das Geschmackserlebnis wird kurzweiliger. Man schmeckt sowohl mit als auch ohne den Wasserzusatz eine deutliche und schöne Komplexität heraus, wie sie ein Qualitätsmerkmal für gute blenden Whiskys ist. Ich empfehle aber den Genuss ohne Verdünnung, weil man davon einfach mehr hat.

Mir schmeckt er so gut, ich habe schon die zweite Flasche (hier noch erhalten) leer gemacht.
Ein wirklich empfehlenswerter Whisky, der die Schönheit von japanischem Whisky und die Überlegenheit zu einigen schottischen Vertretern sehr eindeutig und zu einem erschwinglichen Preis zeigt. Eine Gaumenfreude für jeden Whiskygenießer und damit zum Schlusswort:

Gönnen Sie sich!
Ihr Fine-Stuff-Enthusiast

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