Islay Tasting bei Weltfein


Nach etwas längerer, urlaubsbedingter Abwesenheit melde ich mich endlich wieder bei ihnen!


Ich habe letztes Wochenende ein Islay Tasting in meinem Lieblingsladen mitgemacht. Das Erlebnis kann ich ihnen natürlich nicht vorenthalten und möchte sie in meine Gedanken einführen. Dies passiert etwas verspätet, da ich letzte Woche in einem Nordseedörfchen versackt war, wo es (Gott sei Dank) der Entspannung wegen kein Internet - oder sagen war nur sehr spärliches Internet - gab.


Das Tasting begann wie immer mit einem sehr schönen Armagnac, sprich einem Cognac - aber eben nicht aus der geografisch geschützten Region in Frankreich. Auf diese Art startet immer eines dieser Tastings - man bekommt einen Aperitif gereicht und sucht sich seinen Platz an einer langen, hölzernen Tafel, von der aus man seitlich auf eine, über Beamer eingestrahlte, Präsentation schauen kann. Vor sich liegend findet der Teilnehmer, wie immer, ein Geschmacksrad und Tastingbogen, inklusive Stift, um seine Gedanken niederschreiben zu können. Das tue ich auch immer. Auf den Aperitif möchte ich allerdings im weiteren nicht eingehen, da ich mit Cognac im allgemeinen nicht viel am Hut habe. Es sei soviel dazu gesagt: Sehr lecker. Dieses Mal erschien mir der ausgesuchte Armagnac jedoch ziemlich scharf und mir schauderte es schon vor den rauchigen Malts - was mich da wohl erwarten würde?


Jedenfalls bekam ich dann, zusammen mit einem Freund, ein 1,5-2 stündiges Programm geboten, das mich sehr aufschlussreich über Islay, die Destillerien, Land und Leute und eventuelle Urlaubsrouten, sollte man einmal dort sein, aufklärte. Ein sehr gelungener Abend, der wie jedes Mal sehr schön von Andreas, dem Inhaber von Weltfein, moderiert wurde. Marcel und Andreas (ein anderer) servierten einem zu gegebener Zeit je einen neuen Whisky und die Geschmäcker wurden in der Runde diskutiert. Der erstgenannte Andreas verbringt seinen Jahresurlaub jedes Jahr auf Islay und bereist die Destillerien, denn er ist wie er selbst so schön sagt, eine wahre "Torfnase". Dabei häuft sich so allerlei Wissen an, welches gerne weitergegeben wird. Wussten sie zum Beispiel, dass Ardbeg (sowie Moët und Chandon und einiges anderes) zu Luis Vuitton gehört ? Ich jedenfalls nicht.


Wie dem auch sei, das Line-Up des Abends war sehr schön und meine Tastingnotes können sie sich gerne auf dem Bild anschauen:







1. Bunnahabhain Moine 
Der Bunna Moine bezeichnet die rauchige Variante des Bunnahabhain Whiskys. Ein 8 jähriger Whisky war es, der aus der Warehouse Collection als Single Cask dargereicht wurde. Dieser Whisky war sehr gefällig. Auch wenn er anfangs nach Wurstbrot roch, leicht schweflig und iodig, so war sein Geschmack doch sehr süß, vanillig mit süßlichem, gefälligem Torfrauch und Anklängen von Beeren und junger Eiche. Die Farbe dieses Whiskys war sehr schwach, da 8 Jahre in einem Fass nicht ausreichen, um diesen Whisky stark zu färben. Der Abgang war etwas schweflig, salziges Karamel und etwas Honigsüße, aber irgendwie auch gleichzeitig mit einem bitteren Nachgeschmack, etwa so wie Hansaplast Pflaster riechen. Ein sehr interessanter Whisky und einer meine Favoriten des Abends - trotz des Alters war keinerlei alkoholische Schärfe zu spüren.


2. Caol Ila 2008 (7 years)
Ein weiterer Dram aus der Warehouse Collection, ein 7 jähriger Caol Ila, ebenfalls Single Cask. Auch dieser, wie der Bunna Moine, in trinkstarken 46 vol.-% abgefüllt. Hier fanden wir eine sehr schöne Nase vor, dunkle geschwefelte Rosinen und anderes Trockenobst, eine leichte Zitrusnote eventuell, und eine Honigsüße - kein bissen Torfrauch in der Nase. Im Geschmack trat zunächst eine junge ungestüme Schärfe auf die Zunge, vergleichbar mit schwarzem Pfeffer. Der Whisky war schön ölig, und hatte einen öligen Torfrauch trotz seiner Jugend, jedoch geschmacklich kein Highlight in meinen Augen. Viele Eichennoten machten ihn leicht bitter. Der Abgang war interessant mit etwas medizinischem Iod, aber gleichzeitig mit einer Vanillesüße.


3. Kilchoman 100% Islay
Eine limitierte Whiskyedition von Islay und gleichzeitig von einer sehr jungen Destillerie, nämlich Kilchoman. Endlich abgefüllt in Fassstärke. Eine sehr feine Nase bringt Honig und Beeren mit sich. Geschmacklich könnte man meinen man genießt eine cremige, leichte Zigarre zu einem starken Espresso. Sehr schöne Vanillenoten wechseln sich mit Kaffeebohnen ab und sehr modern kommen zu den süßen Aromen noch die Aromen von rotem Pfeffer, welcher heute ja auch des öfteren in exklusiven Schokoladen Einsatz findet. Ein sehr ausgewogener und süffiger Whisky, der in seinem Nachgeschmack auch mit herrlicher Herrenschokolade abgeht und den Islay-Charakter durch eine rauchig-phenolige Note zeigt. Trotz Fassstärke nicht zu aufdringlich und sehr gut trinkbar.


4. Port Charlotte Islay Barley 2008
Ein rauchiger Bruichladdich-Ableger begegnet uns in einer schön designten Flasche. Der Port Charlotte ist ein "heavily peated" Whisky mit ca. 50 ppm Rauch. Mag sein, dass ich schon abgestumpft war, aber "heavily peated" habe ich mir nicht so mild vorgestellt. Dieser Whisky kommt sehr frisch daher, hat fast eine Note von frisch gemähtem Rasen für die Nase vorgesehen. Dazu gesellen sich frische, aber auch Trockenfrüchte und Honigsüße. Der Geschmack ist sehr intensiv, aber sicherlich nicht zum abgewöhnen. Feine Röstaromen und Rosinen gesellen sich zu Eichenholz und einem öligen Rauch. Allein der Abgang kommt sehr medizinisch daher, bringt aber auch typische Bourbon Einflüsse mit sich.


5. Ardbeg Corryvreckan
Benannt nach einem starken Meeresstrudel kommt dieser Ardbeg stürmisch daher. Fruchtsüße und frische Früchte erwarten die Nase. Eine sehr eindimensionale Nase, aber keine schlechte. Auf der Zunge tritt sofort der Geschmack nach Orangenschale auf und geht über in Kaffeearomen, oder eben dunklen Kakao. Aber ich erwähnte oben schon: Dieser NAS Whisky ist vermutlich sehr jung und es folgt eine unangenehme pfeffrige Schärfe, die aber nur kurz weilt. Der Abgang mit Kaffeenoten und Honig jedoch war herrlich und lang. Ein sehr zu empfehlender "Standard" Whisky. Auch hier merke ich die Rauchnote kaum noch, vermutlich ist sie in den Röstaromen wiederzufinden.


6. The Warehouse Dram No. 8 Braon Peat
Ein Blend aus 4 verschiedenen Islay Fässern, von denen man nicht so recht weiß, woher diese Stammen. Ich meine Lagavulin oder Laphroaig herauszuschmecken. Dadurch, dass verschiedene Fässer hineingewandert sind, gewinnt dieser Whisky an Tiefe. Die Nase kommt mit sehr reifen Früchten und Traubensüße daher, was auf Sherryfässer in dieser Abfüllung schließen lassen. Ich finde hier außerdem Rosinen, Zimt und das ganze wirkt sehr weich und ästhetisch. Auf der Zunge wärmt der Whisky zunächst und fruchtsüßer, aber leicht trockener Rauch belegt die Mundschleimhäute. Eine Honigsüße gepaart mit weißem Pfeffer sorgt bei mir für angenehme Schärfe. Im Abgang dann wohlig süßer Honig, der für Bourbonfässer sprechen könnte, aber auch Kaffeearomen. Definitiv mein Favorit des Abends.

Ein gelungenes Tasting - und wie immer endete es an der Open Tasting Bar, an der jeder noch den ein oder anderen Dram aufs Haus ins Glas bekommt. Ich kam in den Genuss des Kavalan Solist Peaty Cask und des Michters Sour Mash. Aber dazu in einem nächsten Posting eventuell mehr :)

Damit verabschiede ich mich 
Gönnen Sie sich!

Ihr Fine-Stuff Enthusiast

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