Bottle Market Bremen 2017 - Eindrücke von der Whiskymesse

Letztes Wochenende begab es sich, dass ich den
zusammen mit 2 Freunden aus dem Whiskyforum besuchen konnte und ich habe sehr viele Eindrücke für meine Leser mitgebracht.

Wir sind um 11:30 Uhr angekommen denn der Bottle Market öffnete am Samstag den 19.11.2017 seine Pforten um Punkt 11 Uhr. Wie es immer so ist, der Erste will man ja dann doch auch nicht sein oder, wie in unserem Fall, man versucht doch so viel Schlaf wie möglich am Wochenende mitzunehmen. Ich war beeindruckt wie viele Leute schon so früh am Tage anfangen wollten, Whisky zu trinken - aber hey, ich war ja immerhin auch genau dafür vor Ort. 

Nachdem ich am Presseschalter meinen Presseausweis und die Pressemappe bekommen hatte konnte es auch schon losgehen. Im Eingang besorgte ich mir sofort ein Glas und eine Bottle Market Exklusivabfüllung, die von dem Scotch-Club Bremen bereitgestellt wurde. Für 69 oder 82 € bekam man entweder einen 10 jährigen Aultmore oder einen 16 jährigen Ardmore, Einzelfassabfüllung in Fassstärke. Da ich einen ultradark ex-Sherry Fass gelagerten Aultmore Whisky noch nie zuvor gesehen oder gar probiert hatte, gönnte ich mir das besondere Stück. 

Aultmore 10 Jahre, first fill sherry cask; Messeabfüllung Bottle Market 2017 Bremen.
Nachdem ich mir die Flasche geholt hatte war diese ultradark ex-Sherry Abfüllung tatsächlich auch nach sehr kurzer Zeit vergriffen! Als ich zum Stand des Scotch-Clubs Bremen kam, um einen Dram des Aultmores zu probieren, war dieser schon restlos aus- und abverkauft. Und am Sonntag war ja auch noch Messe - ich persönlich hätte mich sehr geärgert, wäre ich erst am Sonntag gekommen, aber es ist ja auch schön, insbesondere für die Messe, wenn die Exklusivabfüllung verkauft werden.

Mein nächster Stop war beim Stand der "Blauen Maus", die von Familie Fleischmann geführt wird. Die älteste Whiskydestille Deutschlands, so lautete es auf den Werbewänden - und das kann man gut und gerne von sich behaupten, denn wo sonst bekommt man 12 und 18 jährigen Whisky komplett aus frischen deutschen Eichenfässern geboten?
Ich wurde sehr nett von den beiden Besitzern der blauen Maus, Herrn und Frau Fleischmann Senior am Stand in Empfang genommen und wurde dann bestimmt 30 Minuten frei nach bambergischer Mundart unterhalten und in die Geheimnisse des Whiskymachens nach deutscher Art eingeweiht. 
Foto vom Stand der "Blauen Maus" mit dem berühmten Sylter Tide Whisky, dessen Flasche in der Nordsee mit Korallen bewachsen ist.

Der 12 jährige Whisky aus dem deutschen Eichenfass war geruchlich wie auch geschmacklich ein frisch gegerbtes Leder - ich hatte dieses Geschmackserlebnis bislang noch nie, unendlich tiefe Holznoten, aber komplett anders als man diese vom Scotch her kennt, und Ledrigkeit gepaart mit Vanille, wie man es sonst nur bei Zigarren erlebt - wenn ich jemandem einen Cigar Malt empfehlen würde, dann vermutlich den Otto's Uisge Beatha - so hieß der gute Whisky. Der 18 jährige Whisky, die "Blaue Maus" hingegen, kam cremig und honigsüß daher, was man im Scotch so in der Art auch nicht findet. Komplett weich und harmonisch. Zu guter letzt konnten ich noch den Newmake probieren: Ein wunderbar buttriger klarer Spirit, dessen Weichheit nur durch überragendes Whiskymachertalent erklärt werden kann. Nach einmaliger Destillation mit 87 vol.-% erhalten, war seine alkoholische Stärke beim Trinken trotzdem kaum spürbar.

An anderer Stelle gab es viele Stände von Onlinehändlern, von denen insbesondere der Scoma Stand herausstach. Eine riesige Anzahl an Flaschen, von Drams ab 3 € / 2 cl, bis hin zu 35 € / 2 cl konnte man alles haben, was das Whiskyherz höher schlagen ließ. Unter anderem den Glenfiddich Winter Storm, den ich nur all zu gerne probiert hätte - ich habe es nur leider vergessen.

Eigenabfüllungen von Scoma, die echte Leckerchen sind!

Der Glenfiddich Winter Storm im offenen Ausschank am Scoma Stand!
Nein, leider werde ich für diese Werbung nicht bezahlt - der Stand hat bei mir nur einen sehr guten Eindruck hinterlassen, der ihn in meinen Augen erwähnenswert macht. Wer übrigens in Whisky investieren will - der Glenfiddich Winter Storm wurde vor gar nicht all zu langer Zeit herausgegeben (199 €/Flasche) und ist jetzt schon mehr als das Doppelte wert - zugreifen, wenn man ihn unter 400 € bekommen kann.

Weiter auf der Whiskymesse unterwegs kam ich auch an einem Stand vorbei, der seine Fassreifungen in Deutschland mehr oder weniger unkonventionell selbst macht. Es werden kleine Fässer mit Fassungsvermögen von 25 L oder weniger selbst hergestellt, dort werden dann von besagter Firma eigenständig Vorlagerungen von Portwein, Pale Ale oder auch Kaffeebohnen(!) für zum Teil mehrere Jahre durchgeführt, um dann dort Whisky, manchmal mit Nennung der Destille, manchmal ohne, aus Japan, Schottland und weiteren Ländern zu finishen. Das Finish findet außerdem in besonderen Hölzern statt, beispielsweise im Pflaumenbaumholz. Die Rede hier ist von Cask Alive, die das deutsche Doppelfinish, ohne dass ich von ihnen wusste, tatsächlich schon deutlich länger machen als die Glendranostra. 

Foto von dem Cask Alive ! Stand.
Zu guter letzt war ich noch am Stand der Sansibar, einer Marke, die sich irgendwie einen Kultstatus aufgebaut hat und neuerdings auch Whisky für sich abfüllen lässt. Als Samurai Collection gelten dabei die Flaschen, die künstlerisch den Karuizawa Destillerie Bottlings und eben jenen heute als Wertanlage geschätzten Abfüllungen (denn sie ist eine Lost Destillery), nachempfunden sind. Ich hatte das vergnügen einen 35 jährigen Whisky zu probieren - ein Blend, der aus 2 Sherrybomben hergestellt wurde. Ein hölzern, süßes Erlebnis mit einer Menge Sherry und viel dunkler Schokolade, einer gewissen Trockenheit und einem Konvolut reifer, roter Früchte. Kein Wunder also, dass die Abfüllungen der Sansibar sehr gehypt sind, denn qualitativ kann man da nicht meckern. Maximal das Mitbezahlen der Marke schlägt etwas aufs Gemüt, aber dafür bekommt man ja auch edles, altes Zeug geboten - jeder muss für sich selbst feststellen ob ihm die Abfüllungen taugen - und gerade dafür ist so eine Messe wie gemacht!
Ein Blend aus 2 Sherryfässern, das Age-Statement lautet: 35 Jahre! Nicht schlecht liebe Sansibar!

Der Hype für blended Malts wird auch immer Stärker. In letzter Zeit schießen die Blends nur so aus dem Boden und scheinen sich immer größerer Beliebtheit zu erfreuen. So fand man auf der Messe auch Stände wie den deutschen Importeur und Großhändler für Compass Box Whisky.
Leider habe ich auch hier mal wieder nicht geschafft einen davon zu probieren, obwohl ich es mir doch fest vorgenommen hatte! Das nächste Mal dann vielleicht - immerhin soll das ja blended Malt der Spitzenklasse sein, und ein schönes Flaschendesign kann man ihnen eben auch nicht absprechen:
Ein Foto vom Compass Box Stand: Spice Tree, Peat Monster und Hedonism - 3 exquisite blended Malts.
Da der Bottle Market sich nicht ausschließlich um Whisky drehte, sondern ebenso Wein vorhanden war, konnte man auch das ein oder andere kulinarische Highlight finden. So gab es eben auch Salami, Käse und Süßigkeiten ohne Ende auf der Messe - zum Teil gab es auch einen Zusammenhang zum Whisky, zum Beispiel Fudge, eine britische Köstlichkeit, die dann mit "enthält Whisky" so wie Glenfiddich oder Edradour wirbt, auf der Rückseite ist dann aber in der Zutatenliste eine "0,2% Whisky" Eintragung zu lesen .... schmeckt aber auch ohne Whisky sehr gut ;)

Salami und Käse passt perfekt zu Whisky und Wein.

Ein Mitbringsel für die Daheimgebliebenen - Süßigkeiten mit Whisky als Inhaltsstoff sind keine Seltenheit.
Der Bottle Market in Bremen war ein tolles Erlebnis und es hat mir sehr viel Spaß gemacht die Halle zu erkunden. Nebendran gab es auch noch eine Kuchen und Weihnachtsmesse - aber Kuchen zum Essen habe ich dort keinen finden können... schade eigentlich!

Ich freue mich aufs nächste Jahr und werde den Bottle Market sicherlich wieder besuchen, das nächste Mal aber mit einer Hand voll Samplefläschen, damit ich mir auch noch den ein oder anderen guten Dram mit nach Hause nehmen kann.

Damit verbleibe ich wie immer mit einem: Gönnen Sie sich!
Ihr Fine-Stuff Enthusiast



Kommentare

  1. Du musst definitiv zur Finest Spirits eingeflogen kommen, ich glaub wir hätten da voll die Gaudi.

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    1. Das wird wahrscheinlich nicht möglich sein :( aber der Überzeugung bin ich auch :)

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