Whisky im Käse - Cheddar mit 5 % Whisky

Ein Käse, der mit Whisky veredelt wurde. Das erlebt man nicht alle Tage. Ich war ebenso erstaunt, wie sie vermutlich jetzt in diesem Moment! Sowas gibt es?

Die Antwort auf diese Frage ist definitiv JA.



Ein bisschen Abschweifen möchte ich aber vorher noch (es gibt allerdings zwischendurch schon ein paar Bilder zum Käse, um den es hier eigentlich geht): Beim Käse gibt es verschiedene Arten der Veredelung. Ich hoffe dass ich dies jetzt alles richtig wiedergebe: Es gibt zum einen die Möglichkeit den Käse durch Lagerung in z.B. Kellergewölben zu reifen und somit zu Veredeln, aber auch die Möglichkeit durch äußere Einflüsse einiges zu machen.





Eines von zwei der prominenteste Beispiel für lange Lagerung ist sicherlich Gouda, der durch die Lagerung zwar härter wird, aber ab einem bestimmten Punkt seinen Geschmack auch deutlich verändert. Das andere Beispiel: In Italien, in der Region Parma, wo Parmesan hergestellt wird, gibt es sogar Banken, die "Kredit gegen Käse" anbieten. Wird Parmesan älter, so wird er auch besser und da die Region geographisch (ähnlich zu den Produktbezeichnungen Scotch oder Cognac) geschützt ist erhält sich der Wert der Ware. Die Bauern bringen also ihre Parmesan Leibe zur Bank und bekommen einen Gegenwert. Können sie den Kredit bis zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht abbezahlen, so veräußert die Bank ihren (dann schon sehr alten) Pamesan für beträchtliche Summen.

Falls sie sich bislang nicht sonderlich viel mit Käse beschäftigt haben, so können sie sich (wenn sie einen recht vollen Geldbeutel haben) mal an der Käsetheke in einem gut sortierten Edeka beraten lassen und das ein oder andere Leckerchen mitnehmen.
Dort gibt es sehr viele Käsearten, unter anderem gibt es z.B. Morbier welcher mittels einer Schicht Asche im Käse ein sehr schönes Aroma erhält und der daraus sicherlich einen Teil seiner Würzigkeit und definitiv viel seines Geschmackes gewinnt.
Weiterhin gibt es auch noch eine sehr moderne Kategorie, welche das würzige mit dem süßen verbindet und die aus Norwegen kommt: Der Karamelkäse wird durch langes Einkochen von Molke (bis der Milchzucker karamelisiert) hergestellt und erhält dadurch ein einzigartiges Aroma. Dieser Käse ist allerdings nicht so mein Fall.

Sie sehen also, es gibt also offensichtlich eine Art der Veredelung, bei der der jeweilige Stoff dafür vor dem Käsen eingebracht wird und dort dann verweilt.
Eine andere Art der Veredlung passiert während des mehrwöchigen Reifens. Man gibt Kräuter, Bier, Rotwein oder ähnliches auf eine durchlässige Rinde des Käses, massiert gegebenen Falls das Ganze in den Käse ein und das in bestimmten zeitlichen Abständen. Währenddessen Reift der Käse weiter. Das jeweilige Veredelungsgut dringt dabei peu à peu in den Käse ein und gibt ihm einen schönen Geschmacksanschub.
Klar gibt es auch Käse, bei dem die Kräuter im Käseprozess zugegeben werden, beispielsweise von Milbona oder ähnlichen Firmen, aber dort findet kein/kaum ein Reifungsprozess statt. Der Käse schmeckt flach und unrund.

In unserem Fall handelt es sich um Käse, der Whisky enthält und definitiv sehr interessant ist, der Cheddar "Amber Mist", also Bernstein Nebel..... Ein gewöhnungsbedürftiger Name, zumindest in seiner Übersetzung. Hergestellt wird der Gute von Snowdonia Cheese. Er kommt daher wie ein großer Babybel und gibt vor ein Cheddar zu sein und da er in England hergestellt wird erwarte ich mir viel von seinem Geschmack. Veredelt wurde er bei seiner Reifung mit Whisky, auf dem Etikett ist allerdings kein Age-Statement. Laut Website ist dort ein rauchiger Whisky ist enthalten und davon satte 5%. Bei 200 g Käse ist das dann schon fast ein ganzer Dram.



Mit einem wunderbar herzhaften Aroma und einem kleinen bisschen Süße, aber keinem bisschen Stinkigkeit, begibt sich dieser wunderbar "mature" Cheddar nach dem Anschneiden in die Nase. Man merkt ihm sein Alter durch seinen vollen Geschmack, aber natürlich auch durch seine etwas bröckelige Konsistenz deutlich an - sehr schön! Im Mund hat man dann ein wunderschön kräftigen, aromatischen Käse, eine angenehme Salzigkeit gesellt sich dazu. Der Whisky kommt auch tatsächlich zum Zug! Man schmeckt leicht ein Eichenfass heraus, dazu gesellt sich ein Hauch von Vanille und tatsächlich etwas süßlicher Rauch! Eine wunderbare Veredelung für einen doch sehr alltagstauglichen Käse, und ich würde behaupten auf einem gut gemachten Burger aus Dry Age Rindfleisch würde sich dieser Whisky-Cheddar doch nur all zu gut machen!

Damit bin ich auch schon am Ende der Journey in das Käseland angekommen und verbleibe mit einem: Gönnen Sie sich!

Wie immer!
Ihr Fine Stuff Enthusiast 


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