Alt gegen Neu: Highland Park 12 Years - Viking Honour

Liebe Fine-Stuff Enthusiasten,

ich melde mich wieder mit einem Artikel der voller Hingabe in einem aufopferungsvollen Selbsttest entstanden ist. Naja, einer wirklichen Opferbereitschaft bedurfte es nicht, denn einer meiner wirklichen Lieblingsmalts ist nun einmal der HP 12 . Ich habe den Highland Park 12 Years Viking Honour gegen den alten Highland Park 12 Jahre getestet. 

Highland Park 12 Jahre - Der Neue Viking Honour (links) gegen den alten 12 Jahre (rechts).

Viele von euch haben mich gefragt: Sollte ich mir lieber einen alten Highland Park 12 Jahre kaufen oder aber den neuen Highland Park 12 - Viking Honor?
In vielen Internetforen konnte man lesen:

"Highland Park ändert mit seiner Politik nicht nur das Aussehen und die Marke, sondern schraubt auch die Qualität nach unten. Kaufe ich nicht mehr das Zeug."

Diese Frage nach einer Änderung des Produktes und die Aussage über die Markenpolitik sind also auch nicht so ganz unbedarft. Viele limitierte Flaschen und überteuerte Preise für zwar sehr gute, aber auch durchaus wenig überzeugende Whiskies sind in letzter Zeit beinahe inflationär aus dem Hause Highland Park aus den Orkaden gekommen. Ganz klar, der Hype kommt durch Qualitätsware, allerdings bringt der neue Hype auch eine große Nachfrage mit sich und lässt die Preise in die Höhe schießen, gerade die limitierten Abfüllungen gehen weg wie warme Semmeln. Der Grund ist einfach: Sehr gute PR. Faktisch erschüttert es aber auch die Fans der Destillery Bottlings und die Liebe weicht mehr oder weniger Hass. Nicht weiter verwunderlich, dass man de facto alles verteufelt, was von Highland Park kommt.
Auf die HP 12 Frage habe ich eigentlich immer mit "schmeckt gleich" - es ist also vollkommen egal - geantwortet. Allerdings hatte ich meinen HP 12 unlängst leer gemacht und mir den Viking Honor nur zugelegt und aus der Erinnerung keinen Unterscheid festgestellt. Jetzt habe ich mein letztes aufgehobenes 2 cl Sample des alten Highland Park 12 Jahre geöffnet und den neuen Viking Honour dazu, um im Vergleichstest herauszufinden, was an den Vorwürfen und Zweifeln so dran ist.


Der Trend der Whiskyindustrie geht ja auch immer weiter zu jüngeren Abfüllungen, so auch bei Highland Park, mit dem 10 jährigen Viking Scars (gutes Review hier zu finden), welchen ich nicht testen will. Ich habe mir erst letztens den Highland Park 18 am Black Friday auf Amazon.de gegönnt und mein Trend geht eigentlich mehr zu Qualitäts- als zur Quantitätsware. Will sagen: Es gibt sehr sehr gute junge Abfüllungen, aber die älteren Abfüllungen treffen zur Zeit mehr meinen Geschmack.

Zunächst bleibt zu sagen: Die Optik und die Markenphilosophie sind super umgesetzt im neuen Viking Honour. No doubt, aber das ist echt eine sehr geile Flasche. Auch hier kann ich schon ein erstes Urteil fällen: Für eine schöne stabile Tube beim alten Highland Park gibt es jetzt eine dünne, instabile Papphülle, dafür ist die Flasche mit ihren Reliefs sehr schick aufgemacht. Es ist eben fraglich, was man sich lieber in die Vitrine stellt. Hier würde ich zunächst feststellen: Preis der Flasche wurde auf die Umverpackung umgelegt, welche jetzt billiger ist, als beim alten Highland Park 12 Jahre.


Die Farbe der Malts unterscheidet sich für mich nicht, ich erkenne keine Unterschiede, beide sind ohne Farbstoffe. Dies spricht eigentlich dafür, dass sich an der Zusammensetzung nichts geändert hat, die Fassqualität ist die Gleiche, beide sind mit 40 vol% abgefüllt.

Das Aussehen der beiden Malts unterscheidet sich nicht.

Nosing/Geruch des alten Highland Park 12: Ein schöner, nicht aufdringlicher, leicht kratziger Rauch trifft tiefe Sherryaromen. Dunkle Früchte und schokolierte Rosinen, frische rote Früchte, etwas Eiche.

Geschmack des alten Highland Park 12: Leicht bittere Eiche, Kaffee und schwarzer Tee im Antritt. Danach etwas Dattelsüße und ein wenig Orangeat, und ein leichter Anklang von Citrusfrüchten gepaart mit leichter Chili Schärfe, Vanille und etwas Honig. Dazu kommt ein Hauch von Rauch, in der Nase viel stärker als im Geschmack. Der Abgang lang und rund mit Kaffee und Honig.

Nosing/Geruch des neuen Highland Park 12 Viking Honour: Leicht rauchig mit Anklängen von Zitrusfrüchten, insgesamt etwas frischer als der alte Highland Park 12. Süßlichere Sherryaromen, aber auch hier Schokorosinen, jedoch etwas mehr von den frischen Früchten, ich möchte sogar auf Johannisbeere festlegen. Eiche sehr sehr dezent im Hintergrund, wenn überhaupt.

Geschmack des neuen Highland Park 12 Viking Honour: Auch hier startet der Kaffee, etwas Eiche und türkischer Ceylon Tee. Der Rauch etwas kräftiger, die Zitrusfrüchte mehr im Nosing zu spüren, aber hier dafür ein trockener Sherryton im Geschmack. Schwarze Schokolade und Eichenholz, etwas Orangenschale und Honig. Die Vanille kommt im Abgang besser zur Geltung, zusammen wieder mit Kaffeearomen und Röstaromen.

Fazit des Vergleichs: Ich kann eine Veränderung der Whiskys feststellen, ja. Aber keine Qualitätsänderung, sondern vielmehr merke ich, dass es sich um verschiedene Chargen dieses Whiskys handelt. Alle Geschmäcker sind wie sonst, die Kraft dieses Whiskies ist immer noch für seine 40 vol% enorm stark und der neue Viking Honour steht dem alten keineswegs nach. Er wirkt nicht verwässert, noch schwächer. Alle Aromen sind vollkommen da, nur eben leicht anders. Dies ist auch nicht verwunderlich. Bei diesen Bottling versucht die Destille immer den gleichen Geschmack hinzubekommen, aber wie es eben bei Naturprodukten normal ist verändert sich dann doch ein Hauch von Charge zu Charge. Ich finde zum Beispiel, dass der Rauch beim neuen HP 12 etwas intensiver ist, aber das kann auch daran liegen, dass mein alter HP12 schon etwas stärker durchoxidierter ist, als der frischere Viking Honour, oder eben auch daran, dass das Malz etwas kräftiger getorft war. Ersteres würde sich mit meiner Wahrnehmung der frischeren Aromen im Viking Honour decken.


Zusammenfassend: Ich spüre einfach keinen Unterscheid zwischen Neu und Alt. Das Agestatement ist geblieben - warum sollte sich auch etwas ändern? Es ist immer noch eine meiner Top Kaufempfehlungen sowohl für Kenner als auch für Anfänger. Ein sehr gefälliger Malt mit einem Hauch von Rauch, der ihm Komplexität verleiht, aber niemanden abschreckt.

Damit verbleibe ich wie immer mit einem: Gönnen sie sich!
Ihr Fine-Stuff Enthusiast







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