Tasting Notes: Glenrothes 1978 - 2008 - 29 Jahre

Nach langer langer Zeit melde ich mich zurück und verfasse ein neues Posting, für die treuen Leser meines kleinen und feinen Blogs, in der Hoffnung, dass der ein oder andere noch da ist.

Ich melde mich zurück mit einem wunderbaren Tropfen, der auf meiner Zunge eine Geschmacksexplosion ausgelöst hat, und das schon vor einer ganzen Weile. Gott sei Dank führe ich ausführliche Tasting Notes und kann Ihnen deshalb hier auch jetzt noch berichten, als wäre es gestern gewesen. Ein Whisky aus einer meiner Lieblings-Speyside-Destillerien; Ein Glenrothes Bottling von 2008, das seit 1978, also für 29 Jahre, sein Leben in Sherryfässern verbracht hat.
Auch hier habe ich wieder an einer Flaschenteilung eines guten Freundes teilgenommen, der mir Bilder des Schätzchens hat zukommen lassen. Ich habe dieses wunderbare Tröpfchen mit einigen weiteren Freunden verkostet. Danke allen dafür! Wenn Sie nach den Notes Interesse haben sollten, das Tröpfchen gibt es für nur 198 € (!und zwar hier! - nein ich werde leider nicht für Werbung bezahlt) und das wird wohl einer der letzten 70er Jahre Hochleistungswhiskies zu solch einem Preis sein. Kaufen sie ihn sich, solange es ihn für den Preis gibt.  

Bild: D. Z.
Ich hoffe, dass keiner von Ihnen jemals alleine trinkt, sondern zumindest mit der Frau oder Freundin, und dass die zumindest probieren und ihre Meinung kundtun. Aber ich kann Ihnen sagen, mit einer kleinen Männerrunde/Frauenrunde von Whisky-Hobbyconnoisseuren zu fachsimpeln und zu diskutieren macht eine Menge Spaß und lässt die Gedanken tief in die Materie abdriften (oder eben in den Whisky tauchen).

Aber nun zum Wesentlichen.

Das Auge:
Dunkler Bernstein oder doch eher Rotgold? Das ist eine schwierig zu klärende Frage. Die Nips, die an dem Glas herunterlaufen sind unglaublich träge. Ein Whisky vollendeten Aromas, schon mit dem Auge zu erkennen. Die Nips laufen, wenn sie laufen, so langsam, dass es eine gefühlte Ewigkeit bis zum Boden dauert. Dabei ist der Tropfen sehr groß, das Leg so dünn, dass es zwischenzeitlich abreißt. Unfassbar, was dieser Whisky für eine Öligkeit vorweist.

Die Nase: 
Wow. Mehr mag ich gar nicht dazu sagen, denn ist es schon irgendwie ein Spoiler, wenn ich Ihnen mehr verraten würde. Aber ich tue es natürlich trotzdem - Eine feine Note von Zimtgebäck steigt zunächst auf, oder aber Früchtekuchen mit Rosinen und Cranberries gespickt. Darauf folgt eine starke, dunkle Sherrynote, sehr süß, gut eingebunden in etwas Eiche, aber nicht zu viel. Sehr sanfte Holznoten.

Bild: D. Z.


Der Geschmack:
Booom, da explodiert mir mein Kopf. In der ersten Fuhre dieser Sherrygranate kommt die süß-trockene, an Weihnachtsgebäck im entferntesten, an Rosinenbrötchen schon eher, erinnernde Geschmacksexplosion. Zunächst frische, rote Früchte, etwas Cassis, etwas frische Trauben, bezaubernd smooth auf der Zunge. Der Alkoholgehalt ist nicht sonderlich hoch und es ist keinerlei alkoholische Schärfe im Mund. Das Mundgefühl ist cremig, buttrig und komplex. Nun folgen auf die frischen Früchte die reiferen Noten: Rosinen, getrocknete Erdbeeren und Schokolade. Aber eine Vollmilchschokolade wie die von Lindt. Die Eiche kommt sehr gut eingebunden daher, man schmeckt es kaum, aber es gibt ein wenig Ledrigkeit, ja vielleicht sogar ein Hauch von Kräuterbonbons. Die Eiche wechselt sich mit einem wunderbar intensiven Vanilleeis ab.

Der Nachklang:
Lang. A neverending story. Holy shit ist der Gut. Vanille, perfekter Barrique gelagerter alter Rotwein, ein Hauch von Holz, kaum spürbar. Ein süßes Gefühl bleibt im Mund, ein rotes Gefühl, die Cranberry ist wieder da. Lecker

Fazit:
Ja dies war ein sehr altes Fass, noch aus den 70er Jahren, und ich kann tatsächlich bestätigen: Früher war alles besser. Nicht ganz, aber früher hatte man einfach mehr Ruhe und Gelassenheit für die Herstellung von Whisky - und nicht den riesigen Absatzmarkt. Manchmal sitze ich traurig da und bin bedrückt, weil ich noch so jung bin und so vieles nie probieren konnte. Ein Macallan 18 Jahre für 60€... das waren noch Zeiten. Heute steigen die Preise so hoch für Whisky wie noch nie und die Nachfrage ist immens. Ob wir solche guten Produkte zu erschwinglichen Preisen noch einmal finden werden? Ich werde dem Whisky treu bleiben und hoffe, dass der Hype vorbeigeht und alles wieder deutlich günstiger wird.

Damit verbleibe ich mit einem: Gönnen Sie sich!
Ihr Fine-Stuff Enthusiast

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