Ardbeg Grooves - Committee Release

Liebe Fine-Stuff Enthusiasten,

auch wenn ich hiermit vermutlich etwas spät dran bin, um die Hype-Klicks mitzunehmen, so möchte ich doch meine Eindrücke zum Ardbeg Grooves mit Ihnen teilen. 
Zunächst einmal sei gesagt, dass ich definitiv kein Ardbeg Fan bin und mich bislang eigentlich mehr um die Abfüllungen dieser Destillerie gedrückt habe. Den Ardbeg 10 fand ich (und das ist natürlich meine subjektive Meinung) eher gruselig. Der Corryvreckan, den ich mal bei einem Tasting hatte, war ebenfalls nicht mein Fall. 
Nun bekam ich die Möglichkeit den Ardbeg Grooves, sogar das Commitee Release in Batch Strength, zu probieren. In einem Tausch konnte ich ein Sample vom Tomatin 11.34 von der SMWS  gegen die Flasche und 10 cl Rest vom Ardbeg GR CR bekommen. Ein sehr fairer Tausch und ich möchte noch hier noch einmal meine tiefste Dankbarkeit aussprechen! Die Whisky.de Facebook Gruppe ist es ein Ort, wo viele nette und tolle Menschen unterwegs sind!



Zu meiner Überraschung empfinde ich den Ardbeg GR CR als einen wundervollen Whisky! Zunächst schreckte mich die Nase etwas ab, aber meine Freundin meinte, es würde sie an ihre Oma erinnern - und das ist schließlich eine positive Erinnerung und ich bin dementsprechend ebenfalls positiv an diesen Whisky herangegangen. Das ist klingt doch soweit schon einmal interessant, oder?

Aber fangen wir mit dem Auge an: Simpler Bernstein, leichter Rot-Ton? Die Legs laufen verhältnismäßig langsam und dünn, bilden dicke Tropfen. Viele Aromen in diesem Whisky!

Nase: Altes Kellergewölbe, oder doch der Innenraum eines Antikmöbels? Direkt habe ich Assoziationen an ein schottisches Burgverlieses oder einer alten Wohnung. Es riecht meiner Meinung nach etwas muffig, laut meiner besseren Hälfte riecht es nach der Wohnung ihrer Oma, die lange Zeit Raucherin war und dies eben auch in der Wohnung tat. Hält man die Nase für längere Zeit in das Glas, so kommen neben den rauchigen und erdigen Tönen auch die Fassnoten super zum Vorschein. Süße, frische rote Früchte, Vanille und noch mehr Vanille, Karamellbonbon und süßes Sherryholz. Dunkle leicht angegorene Trauben und Datteln, eine frische Zitrusnote, eventuell ein Spritzer Grapefruit, aber hauptsächlich Orangenschale und danach ein noch etwas Schokolade.



Geschmack: Der erste Schluck schmeckt wie ein kleines Klümpchen Mutterboden, sehr erdig, und dann kommt angenehm süßer Rauch und legt sich im Mund aus. Aber es bleibt kein trockenes, aschiges Gefühl zurück, ebenso wenig belegt es die Zunge. Antikes, altes Holz, leicht muffig, gerösteter Kaffee - das ist definitiv der Torf und der Eichenholzeindruck. Der zweite Schluck gibt mir das Gefühl, als wäre hier in Ex-Portweinfässern gefinisht worden. Sofort habe ich Johannisbeeren und süße Erdbeeren, aber auch Brombeeren im Mund, dazu noch etwas von der Erde, in der diese Beerenpflanzen gestanden haben. Auf jeden Fall müssen hier Weinfässer mit eingeflossen sein. Der dritte Schluck bringt dann angebranntes Karamell und Vanille. Trockene Früchte, Rosinen und Datteln, hier sind definitiv Sherryfässer mit dabei. Minze kommt im Anschluss. Amerikanische Weißeiche? Jedenfalls auch geladen mit einer ziemlichen Menge Vanille. Der Rauch spielt sich nur noch im Hintergrund ab und gibt etwas Würze. Das Eichenholz kaum spürbar. Insgesamt unglaublich mild für 51.6 vol% Alkohol, geht runter wie Öl.

Ein genialer Ardbeg, also wirklich. Dieser Whisky begeistert mich total. Eigentlich wollte ich ihn mit Freunden teilen, aber no way.

Nachklang: Süßes Toffee, Vanille, Vollmilchschokolade. Sehr lang. Der Rauch macht im Abgang fast einen Mojito aus diesem Whisky. Sehr würzig,  minzig, die Fassnoten sind sehr interessant.

Der Tag danach: Die Nase ins Glas gehalten, und was soll ich sagen, da schwimmt eine ganze Menge Holz in der Suppe. Erkennbar sind einige Schwebstoffe, die jetzt natürlich eingetrocknet und sedimentiert sind. Ein unfassbarer Geruch, so wie ich ihn noch nie erlebt habe (am Tag danach). Wirklich interessante Zedernholz und Süßholznoten, etwas Angebranntes ist auch zu erschnüffeln. Es lohnt sich den letzten Tropfen eintrocknen zu lassen und den nächste Tag daran zu schnuppern!



Fazit: Der Ardbeg Grooves Committee Release war seine 90 € in meinen Augen komplett Wert. Mit Versand lag er bei 100 € und wenn man ihn heute für 120 € kaufen kann, dann sollte man definitiv zuschlagen. Ich war damals nicht am Committee Release interessiert, einige haben vor ihrem Bildschirm sehnsüchtig auf das Release gewartet. Schade, dass ich nichts mehr von diesem Whisky habe. Ein sehr komplexer, sehr gefälliger und leckerer Whisky. Unglaublich viel drin in diesem Whisky und gut geeignet um zu entspannen und der Vergangenheit zu gedenken.

Damit verabschiede ich mich mit einem: Gönnen Sie sich!
Ihr Fine-Stuff Enthusiast.

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