Tasting Notes: Ben Nevis First Fill Sherry Single Cask 44 Jahre

Von Ben Nevis kam bislang nur sehr wenig in mein Glas und eine richtige Sherrybombe noch gar nicht. Ein Freund aus Hannover schrieb mir dann vor kurzem, er hätte mir eine 2 cl Probe seines 44 jährigen Ben's reserviert. Als Drittreihendestille (die allerdings immer mehr im kommen ist) gibt es von Ben Nevis unzählige Single Cask Abfüllungen von unabhängigen Abfüllern. Diese erfreuen sich zunehmender Beliebtheit und erst letztens wurde die Nymphs of Whisky Serie von whic.de um einen Ben aus einem dunklen Sherryfass erweitert und war binnen weniger Stunden ausverkauft. Der 44 jährige Ben Nevis exclusively for Alambic Classique von 1966 allerdings reizte mich, einfach weil er damit der älteste Whisky wäre, den ich bis dato jemals verkostet würde. Besagter Freund hat mir auch wieder ein paar Bilder von der Flasche geschickt, vielen Dank dafür an dieser Stelle!
Bild: D.Z.

Mir selbst kam Ben Nevis noch nie sonderlich toll vor, aber durchaus trinkbar und das ein oder andere Fass soll ja auch eine grandiose Ausbeute ergeben haben. Für 1250 € Flaschenpreis bei dem Alter war es natürlich ein Schnapper, überlegt man sich einmal, dass man für einen Highland Park 40 mittlerweile 3000 € berappen muss, gar nicht zu reden von einem Macallan oder Glenfiddich mit 40 Jahren auf dem Buckel.

Aber nun zu dem Teil, auf den sie schon lang genug warten: Die Tastingnotes.

Auge: In der Flasche einfach nur Cola, dunkelstes Braun, im Glas und im Licht erinnert er an Mahagoni oder sehr dunklen Bernstein.


Nase: Sehr intensiv. Mein 30 m² Wohnzimmer roch binnen weniger Sekunden sofort und komplett nach uraltem Whisky. Zunächst steigt einem Honigsüße und angebranntes Karamel in die Nase, gefolgt von Gewürzen, darunter Süßholz. Aber auch das Eichenholz ist merklich zu erkennen anhand von Möbelpolitur und Bonerwachs, denn nach 44 Jahren sind einige Tannine aus den Fasswänden in das Destillat übergangen. Es gesellen sich Datteln und Rosinen dazu, eine Prise Zimt und ein spritzer Blutorange. Im Hintergrund könnte sich fast ein Ricola Kräuterbonbon verstecken.

Mouthfeel: Nimmt man ein Schlückchen von dem Ben Nevis in den Mund , dann entwickelt sich sofort ein wenig Wärme. Ein sehr öliger, aromageladener Spirit, der im Mund von Moment zu Moment flüssiger wird, als ob seine Bestandteile im Mund anfangen zu schmelzen (was sich physikalisch als schwierig entpuppt, denn es ist ja schon alles flüssig). Schwierig zu beschreiben, aber sehr interessant.

Bild: D.Z.
Geschmack: Wow..................einfach nur wow. Was da auf der Zunge passiert in Worte zu fassen dauert. An meinem 2 cl Sample habe ich nun bestimmt schon 30 Minuten gerochen, aber für den Geschmack muss man sich mehr Zeit nehmen. Auf der Zunge zunächst eine unglaubliche Süße, wieder ein wenig angebranntes Karamel und Melasse, Geschmack wie ein Zuckerrohrsirup. Leder und Lederpolitur, fast schon Gummiartig. Danach wird einmal die Zunge über ein Zedernholz gezogen, um danach in blumige Gefilde abzutauchen. Eventuell findet sich hier ein Feilchen, dass aber gepaart ist mit Orangenschale und Grapefruit. Es folgen Honig und vergorene Trauben, das Eichenholz kann man auch identifizieren. Die letzten Noten, die der Ben Nevis auf die Zunge zaubert, sind Blumenerde und Tabak, sowie eine leichte Lacknote.

Bild: D.Z.

Nachklang: Länger geht es wohl nicht. Noch nach dem Frühstück am nächsten Morgen klebt dieses First Fill Sherry Cask noch lange am Gaumen. Direkt nach dem Trinken spielt sich über Minuten noch einiges ab. Zunächst findet sich Vanille und Vollmilchschokolade. Danach geht es über in altes Eichenholz, als würde man in einem Antikmöbel hausen. Es folgt Kräutertee, Leder und Honig, alter Sherry ist auch noch lange zu spüren. Irgendwann geht das ganze in eine, meiner Meinung nach, leichte Fehlnote nach Plastikbecher über, bevor es dann wesentlich später wieder nur noch süß und vanillig nachklingt.


Fazit: Ein wunderbar Alter Whisky, der (leider) aus einem First Fill Sherry Cask kommt und dementsprechend viel zu viel mitbekommen hat. Darunter, wie ich finde, eine leichte Fehlnote. Ein unglaubliches Geschmackserlebnis und vor allem ein Whisky mit dem man sich den kompletten Abend beschäftigen kann. Sind 1250 € zu viel für den Tropfen? Ich kann es Ihnen nicht sagen, nur so viel: Wenn Sie Ben Nevis für großartige Sherrykompositionen lieben und es bis in die 25 jährigen Whiskies bereits geschafft haben, dann versuchen sie doch auch mal noch älteres Zeug! Ben Nevis ist nicht meine Lieblingsdestille, aber sicherlich werde ich mal wieder was altes von dort probieren, wenn es mir angeboten wird.
Leider bin ich durch den HP 40, den ich direkt auf Orkney probieren durfte und der bei weitem gaumenschmeichelnder war, zu sehr vorbelastet. Meiner Meinung nach sollte man ein First Fill Sherry Cask nicht so lange liegen lassen und lieber jung abfüllen, für alten Whisky lieber 2nd Fill Sherry Casks nehmen. Ein erstbefülltes Eichenfass hat einfach noch zu viele Tannine für 40+ Jahre und der Sherry ist zu krass.
Trotzdem war es das Erlebnis mit dem Ben Nevis zu jeder Sekunde wert. 

Damit bedanke ich mich bei Ihnen fürs Lesen, lassen Sie es sich gut gehen! Gönnen Sie sich
Ihr Fine-Stuff Enthusiast

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