DIY: Whisky Cask Finish Series - 2 Liter Small Batch #1

Liebe Fine-Stuff Enthusiasten,

ich habe im letzten halben Jahr ein eigenes Cask Finish Projekt an den Start gebracht! Wo, fragen Sie sich jetzt? Na, bei mir zu Hause im Keller. Ein sehr spannendes Hobby-Experiment mit einem grandiosen Ausgang, wie ich finde.
Ich habe Buch geführt über alle Aktivitäten und möchte Ihnen jetzt hier einen Einblick geben und eine Idee, wie man selbst an eine solche Sache herangehen kann.

Als Ausgangsprodukt wurde ein französisches Eichenfass von Wilhelm Eder verwendet, welches 2 l Fassungsvermögen besitzt. Das Fass habe ich zunächst 24 Stunden mit Wasser belegt, damit das Holz quellen kann und möglichst dicht wird.
Danach wurde das Fass mit 1 l klaren Rum belegt, dazu 1 l Wasser, sodass das Endresultat 20 vol.-% hatte. Das Fass wurde dadurch zunächst etwas ausgelaugt, denn das Resultat nach 5 Tagen hatte deutliche Eichentöne, war strohgelb und schmeckte deutlich nach frischen Tanninen des Eichenholzes. Es ist immer gut, ein Virgin Oak Cask erst einmal auszulaugen, denn dort sind viele unschöne Bestandteile enthalten, die man nicht im fertigen Endprodukt haben möchte.
Das ausgelaugte Fass wurde dann mit Bordeaux Wein "Chateau Les Bouhets Bordeaux 2016" belegt. Dazu habe ich 3 Flaschen verwendet. 100 ml blieben übrig, die ich dann in einem kleinen Flachmann aufgehoben habe, um sie nach einiger Zeit dem Fass zuzufügen. Man muss wissen, dass die innere Oberfläche eines solchen kleinen Fasses deutlich größer ist, als die eines sehr großes Fasses. Deswegen niemals New Make hineingeben, da das Fass es keine 3 Jahre durchhält, der Angles Share ist einfach zu groß. Sie werden maximal eine Pfütze vorfinden, die eine unglaublich ekelhafte Eichenfracht beinhaltet.

Der Bordeaux war sehr erfrischend, leicht süßlich und echt lecker. Der Bordeaux blieb vom 27. April 2018 bis zum 18. Juli 2018 im Fass, also fast 3 Monate. Wie oben bereits erwähnt, habe ich nach einer gewissen Zeit nachgegossen. Anders als ich der sehr interessanten und empfehlenswerten Facebook Whisky Transformer Gruppe oftmals erwähnt, habe ich den Wein nicht mit Weinbrand aufgesprittet. Mein Fass war extrem dicht, sodass ich in der ganzen Zeit nur etwa 100 ml tatsächlichen Verlust durch die Fasswand hatte und keine Gefahr für Schimmel bestand.
Der Wein war echt sehr eichenlastig. Man konnte ihn kaum noch trinken, und da ich kaum Wein trinke, habe ich ihn leider verkappen müssen. Die Oxidation im Fass hatte ihn allerdings sehr mild und noch deutlich süßer gemacht, als ich ihn in Erinnerung hatte.

Vom 18.07. bis 07.08. 2018 (also 21 Tage) kam dann ein Scotch Whisky ins Fass, nämlich der Glenlivet Nàdurra First Fill Selection, First Fill Ex-Bourbon Oak.
Vorher sah der Whisky folgender Maßen aus:

Auge: Ein strohlgoldener Glenlivet.

Starker Brennereicharakter, nicht scharf trotz 60,4 %, aber auch kein Wunderwerk der Whiskybrennerei. Ich würde sein Alter auf 9-10 Jahre schätzen. Ein milder Trinkwhisky.

Nase: Vanille und Karamell, Banane und grüne Äpfel, dazu etwas Eichenholz.
Geschmack: Leicht, etwas Pfeffer, Vanille, karamellisiertes gelbes Obst, typischer American Oak Einfluss, etwas weiße Schokolade und eventuell ein bisschen Kokos.
Abgang: Vanille pur, dann etwas süßes Eichenholz, kein bisschen bitter.

Ich habe Fassproben mit einer Pipette entnommen nach 5 Tagen, 14 Tagen, 18 Tagen und 21 Tagen. Ich hatte mein Fass im Keller gelagert und zunächst passierte nicht all zu viel mit dem Whisky, nach 14 Tagen war er gerade einmal leicht rosa und hatte einen kaum spürbaren Fasseinfluss, da es, trotz Rekordsommer, doch sehr kühl in meinem Keller war. Die Betonung liegt auf "war", denn nach der riesigen Hitzewelle entwickelte sich in meinem Keller nach etwa 18 Tagen um die 28 °C und eine relativ hohe Luftfeuchte, sodass die Fassreifung deutlich beschleunigt wurde. Nach 3 Tagen bei "tropischen" Bedingungen habe ich dann den Whisky für optimal empfunden. Am 18. Tag fand ich das erste mal eine kleine Eichennote meines Fasses im Whisky wieder, am 21. Tag empfand ich ihn dann als sehr gut durchgereift und auch die Farbe hatte sich über die 3 Tagen deutlich intensiviert.

Ich habe versucht ein möglichst ideal vergleichbares Bild des Endresultates zu machen:


Nun schmeckt er auch deutlich anders, was ja irgendwo auch das Ziel des Cask Finishes war:

Auge: Dunkelrot-braun. Die Nips im Glas laufen deutlich langsamer, deutlich dünner, mit einem dicken Tropfen. Da sind einige Aromen in den Whisky gekommen.

Nase: Frische rote Früchte, süße Vanille, die typische Glenlivet Banane und dazu spritzige Grapefruit. Weiße Schokolade und Kokos, schokolierte Erdbeeren.

Geschmack: Säuerliche, spritzige Johannisbeeren und süße Erdbeeren wechseln sich ab, dazu kommt Vanillesoße, grüner Apfel und gebackene Bananen. Weiße Schokolade und leicht verbranntes Karamell. Eine voluminöse, überhaupt nicht unangenehme Eichenfracht kommt, übernimmt mit Kokos aus der American Oak und dazu kommt Orangenschale aus der Französischen Eiche. Eine leichte dunkle Bitterkeit, wie von Kaffeebohnen, gesellt sich dazu.

Abgang: Lang und süß, mit Fudge und viel Vanille, die Erdbeeren und die weiße Schokolade habe ich immer noch. Wirklich schön.

Fazit: Das Cask Finish ist mir meiner Meinung nach sehr gut gelungen. Nach nur 21 Tagen kann sich das Ergebnis sehen, und vor allem auch schmecken lassen.

Wenn Ihnen der Beitrag gefallen hat, folgen Sie dem Blog und lassen Sie gerne einen Kommentar da. Ich bin auch auf Instagram @fine_stuff_enthusiast.
Vielen Dank fürs Lesen und ich verabschiede mich wie immer mit einem:
Gönnen Sie sich!

Ihr Fine-Stuff Enthusiast.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Kritik: Der Spirit von St. Kilian versus den Fusel der Schotten

Alt gegen Neu: Highland Park 12 Years - Viking Honour

Ardbeg Grooves - Committee Release