Kritik: Der Spirit von St. Kilian versus den Fusel der Schotten

Liebe Fine-Stuff Enthusiasten,

vermutlich mache ich mich jetzt bei sehr vielen Menschen, die diesen Beitrag lesen, sehr sehr unbeliebt, dann das hier ist kein Fine-Stuff - und doch dreht sich alles um feinen Stoff... der bisweilen bei mir aber eher für schlechte Assoziationen sorgt. Die meisten Leser kommen aus der Facebook-Gruppe "Whisky.de - Treffpunkt feiner Geister" oder aus der von Pat Hock, seit kurzem übrigens das Influencer-Aushängeschild von St. Kilian (falls sie es noch nicht mitbekommen haben sollten), gegründeten Gruppe "FEINGEIST(er)". Ich hoffe auch, dass ich noch immer in der Feingeister Gruppe bleiben darf, wäre es doch ein sehr unfeiner Zug einen kleinen Kritiker rauszuwerfen, der Eindrücke doch sehr gerne auch mal in diese Gruppe teilt und aktiv dabei ist. Aber sehen Sie sich zunächst einmal den folgenden Screenshot an:

Abb. 1: Übersicht der FEINGEIST(er) Gruppe und des besagten Postings inkl. Umfrage. Zahlenwerte im Text.

Ich möchte ihnen mal näher bringen, wo mir der Schuh drückt: Ich habe eine Meinung ausgedrückt, und ich kann meine Meinung äußern, wann ich will und wo ich es will und das Ganze auch im Internet, denn ich bin dort mit Bild zu sehen und mit vollem Namen... und das Grundgesetzt (blablabla)...und eigentlich hat mich auch nur die Reaktion von Pat Hock Whisky dazu gebracht einen solchen, gar nicht feinen, Beitrag auf meinem Blog zu veröffentlichen.
Gleich vorweg: Ich schätze Pat Hock sehr (sofern man mit jemandem aus dem Internet sympathisieren kann, ohne ihn in Persona getroffen zu haben) und ich mag auch seine Videos, verfolge ihn schon, da hat er sich noch der Whisky Wixxer nannte. Ich schreibe selten etwas wirklich negatives, ich habe auch noch nie zuvor einen sehr "vernichtenden" (so wird mir unterstellt) Beitrag geschrieben. Es kann gut und gerne mal Vorkommen, dass das Lob ausbleibt und die Kritik in meinen Posts zum tragen kommt, das möchte ich gar nicht abstreiten, aber die ganze Story hier hat mich dann doch sehr enttäuscht.
Ich antwortete mit meinem Beitrag auf den Post (s.o.), der bei  96 Kommentaren und 53 Likes, 350 Personen die mit "JA !" gestimmt und 14 (mich eingeschlossen) die mit "NEIN !" gestimmt haben, eigentlich auch so niemanden wirklich interessiert hat (Stand 12.08.2018 21.43 Uhr). Warum sollte es auch irgendwen interessieren, wo doch alle Fans of St. Kilian sind? Alle sind über die Großzügigkeit und Bauchpinselei durch Pat Hock Whisky mehr als begeistert. Und das ist ihr gutes Recht, denn wer den Spirit von St. Kilian mag und ein "Special Release" exklusiv für die 1807 Mitglieder von der Feingeister Gruppe ergattern will, der muss lieb sein und konsumieren.
Denn Konsumenten und vorgegaukelte Exklusivität ist das, was Pat Hock als Influencer und Mitarbeiter für St. Kilian, liefert. Influencer zu sein bedeutet schließlich Einfluss zu nehmen. Ich will hier keinesfalls die Produkte von St. Kilian schlecht reden oder jemandem vom Kauf abhalten. Es sind schöne Tropfen, die viel vom Fass mitbekommen und trotzdem sehr jung sind. Wie das funktioniert? Laut Pat Hocks Aussage in einer Konversation mit mir über den Facebook Messenger sind diese Fässer einfach qualitativ sehr hochwertig. Das lassen wir so stehen, ich möchte aber trotzdem die metallische, junge Note betonen, die ich in den Jungspirits von St. Kilian wiederfinde. Nur als Spoiler: Die privaten Nachrichten werde ich hier natürlich nicht veröffentlichen, das wäre wirklich unschicklich.
Abb. 2: Verlauf unter dem Post aus Abb. 1. Ich habe meinen 2. Post später editiert, denn ich hatte einen Typo in meiner Aussage, statt "Sankt" hatte ich "Sant" dort stehen. Zu meiner Aussage stehe ich, habe sie in ihrer Härte nicht verändert.

Man lässt mir also die Option offen (denn sonst könnte man ja keine Umfrage machen), dass ich mit "NEIN !" antworte. Und das tue ich und gebe noch einen Kommentar mit meiner eigenen, persönlichen Meinung ab - was bei einer Umfrage, bei der alle "Ja geil!" in die Kommentarspalte baller, doch auch mein gutes Recht ist, oder? Zunächst schreibe ich, dass ich lieber noch eine Gruppenabfüllung eines Schotten, eben beispielsweise wie der letzte Mortlach von Pat, der im Übrigen sehr lecker war, hätte. Was ist daran nun verkehrt? Bislang nichts.
Erst mein zweiter Kommentar, wohlgemerkt in 3. Reihe, unter meinem eigenen Kommentar, führte zu einer ziemlich üblen Reaktion von Pat, die mich gleichzeitig noch übler im Messenger erreichte. 

Die Vorgeschichte zu dem "Sankt Kilian PR New Make mit Reifung von mehreren Sekunden im Fass", den niemand braucht (und mit niemand revidiere ich sogar noch auf mich als Einzelnen) findet sich in der PR Welle, die St. Kilian zur Zeit fährt und die bei mir, von Zeit zu Zeit, für leichte Bröckchen im Hals sorgt.

Ihnen sei kein Vorwurf gemacht, denn der PR Berater macht alles richtig: Erst den 2. größten Whisky Influencer Deutschlands einzukaufen und dann noch Deals mit Internetberühmtheiten aus der größten deutschen Whisky-Facebookgruppe (z.B. Maria-Kronprinz und Limited-Whisky-It-Boy a.k.a. Mr. Dalmore, Tim Tünnermann von der Whiskybotschaft) eingehen, die auch ihr Influencerdasein nutzen. Unterschwellige Werbung vor einer Gruppe von über 10.000 Personen, die dazu auch noch komplett die Zielgruppe ausmachen. Alles unter dem Deckmantel des "Fassexperiments" mit New Make... Exklusivität der Single Cask Abfüllungen und der Kundenattraktion im Laden, à la schottischem Destilleriebesuch. Das ist schon sehr schön, nervt aber, wenn man sich mal nicht von dem Schein blenden lässt, sondern mal die harten Fakten auf den Tisch legt: Auf Nachfrage gab es dazu auch nur die Äußerung, dass das ja genau das sei, was man machen möchte, schöne junge Whiskys abzufüllen und den Leuten näher zubringen. Aber warte mal, da war doch was, oder?

Denn Whiskyfreunde auf der ganzen Welt kriegen tränen in den Augen, wenn Macallan den Lumina rausbringt, wenn Mortlach seinen 7 jährigen Whisky "Rare Old" nennt oder Highland Park jede Woche eine neue Non-Age Statement Reihe im Travel Retail veröffentlicht - und die dafür auch noch viel Geld haben wollen. Aber wenn eine deutsche Destillerie einen gerade einmal wenige Monate alten Spirit auf den Markt bringt, der sich nicht einmal Whisky nennen darf, dann rennen denen alle die Bude ein? Doppelmoral wo bist du bloß?

Pat Hock Whisky unterstellte mir in unserem Gespräch, dass ich "immer auf Konfrontrationskurs" sei und ich immer "alles" schlecht machen würde, was er tut. Das ist definitiv nicht der Fall. Beispielsweise fand ich seinen PR Move vom Wixxer zum Pat Hock als sehr gut und auch als er das Hobby erst bei Rewe, dann bei St. Kilian, zu seinem Beruf macht, habe ich mich sehr für ihn gefreut. Dass das Hochhalten einer Klorolle zur Farbbestimmung des Whiskys noch immer in seinen Videos zu finden ist, trotz wirklich guten Image-Moves, sorgt bei mir allerdings weiterhin für Verwunderung. Letztendlich seine Entscheidung, vielleicht sogar ein Running-Gag für ihn... who knows. Solche Sachen kritisiere ich durchaus auch mal öffentlich... ist ja nichts schlimmes dabei und es springt eher noch ein Mehrwert für ihn dabei heraus.

Aber wie dem auch sei, ob einem St. Kilian Spirit schmeckt oder nicht, das sei dahingestellt und jedem selbst überlassen. Gut gemacht ist er allemal, aber es ist irgendwo kein Whisky und das merkt man auch. Die Brennkunst stellt keiner in Frage, vielmehr die Art und Weise der Vermarktung. In meinen Augen ist die Aktion von Pat Hock nicht hauptsächlich eine gute Tat für die Gruppe FEINGEIST(er), dafür mehr ein wohl geplanter Marketing-Move, der ihm sein Gehalt für ein paar Monate finanziert. Werbung bei Stammkunden in genau der richtigen Zielgruppe auf Basis der Sympathie (edit: Nur leider ohne korrekte Kennzeichnung). Gutes Konzept und insbesondere auch nachhaltig. Das schlimme für mich war: Für Kritik an solchen Aktionen wird man direkt persönlich angeschrieben und sozusagen zum Maulhalten genötigt - und das sehe ich nicht ein. Nicht schön, nicht sympathisch und durchaus sehr unprofessionell. Vor allem aber auch unnötig: Wenn nur die Hälfte der "JA !" Sager die Abfüllung tatsächlich kaufen hat man doch gar keinen Grund dazu, solche negativ auslegbaren Anstalten zu machen und einen Feingeist so dumm abzuwiegeln.
Meine Einschätzung ist auch kein Einzelfall, und ich bin Gott sei Dank nicht der einzige, der so denkt.

Ich will niemanden denunzieren, ich will Pat Hock Whisky nicht bloßstellen (was ich hiermit aber wohl zumindest ein wenig tue, sorry for that), denn ich habe vollsten Respekt vor allem was er erreicht hat, aber ich will nicht eingeschüchtert werden, wenn ich meine Meinung äußere. Ich glaube, dass Pat es vollkommen ernst meint, er findet St. Kilian geil, er ist loyal zu dem Unternehmen, aber ich glaube auch, dass er das Ganze als Marketing Move macht (edit: und diesen nicht korrekt kennzeichnet). Zumindest ein bisschen, dass es ist schließlich sein Job.

Damit verbleibe ich heute, leider ganz ohne feinen Stoff mit einem: Gönnen Sie sich trotzdem!
Ihr Fine-Stuff Enthusiast

edit:
P.S.: Schleichwerbung ist ein ernstes Problem und die Landesmedienanstalten gehen dagegen mittlerweile stark vor. So trivial ist die Grauzone des Internets nicht, als das jeder Ahnung davon hätte.
Die Aussage zu den Fässern wurde entfernt, da nur dramaturgisch gewählt, faktisch aber (vermutlich) falsch.
Mein kurzes und knackiges Fazit: Für mich ist St. Kilian maximal overhypt und der PR Wahnsinn kennt leider keine Grenzen.
Das ganze ist für mich soweit abgehakt, Pat Hock kam mir mit einer Art der Entschuldigung entgegen. Man kann nur hoffen, dass es in Zukunft besser wird und die Werbung in jedem Post Kennzeichnung findet. Außerdem hoffe ich, dass keine Leute mehr wegen öffentlichen Äußerungen angegangen werden, sollten diese noch so unkonstruktiv sein. Das ist einfach unprofessionell.

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