Bn7 - Elements of Islay

Liebe Fine-Stuff Enthusiasten,

heute stelle ich Ihnen einen Bunnahabhain von Elements of Islay vor. Die Destille Bunnahabhain wird nicht umsonst "Bunna-Haven" ausgesprochen, denn ich für meinen Teil schwebe bei dieser Abfüllung im 7. Himmel: Bunna (abgekürzt) ist bekannt dafür, überragende Whiskys zu machen und gerade diese aus dem Sherry-Fass erfreuen sich sagenhafter Beliebtheit. Insbesondere die non-peated Malts sind dabei die, die Bunna groß gemacht haben. Mit zunehmender positiver Resonanz auf die peated Malts hat Bunna dann auch mehr und mehr die torfige Schiene etabliert. Zu Bunnahabhains Standardrange gehören nicht nur die non-peated 12, 18 und 25 jährige Malts, sondern auch die Moiné Serie, die ausschließlich getorfte Malts enthält. Auch bei unabhängigen Abfüllern findet man das "Moiné" eigentlich immer hinter dem Namen, sollte es ein peated Bunna sein. 

Der unabhängige Abfüller hinter den Elements of Islay Bottlings released ausschließlich Malts von Islay-Brennereien und hat sich mittlerweile einen Kultstatus erarbeitet. Im Grunde sind die Elements of Islay Abfüllungen sehr einfach zu bekommen, aber Sie müssen zum Teil sehr sehr schnell sein, um sich bei der starken Nachfrage noch die ein oder andere Flasche sichern zu können. Zum Trinken gedacht, aber offensichtlich zum Sammeln gemacht, erreichen Abfüllungen wie Bn1, Bn2 schon rekordverdächtige Preise auf einschlägigen Plattformen, die den ursprünglichen Einkaufspreis um ein vielfaches übersteigen.

Gerade die Aufmachung der Etiketten der Elements of Islay Abfüllungen ist sehr gut durchdacht, die Etiketten bleiben dabei sehr minimalistisch, aber sind trotzdem interessant. Angelehnt an das Periodensystem der Elemente bildet es die Brennereien als Kurzform ab. Lp steht for Laphroaig, Pc steht für Port Charlotte, Pe steht für Port Ellen (silent) und und und... Die Batchnummer folgt dabei runtergestellt, anders als im Periodensystem, soll aber, so würde ich vermuten, an die Ordnungszahl angelehnt sein. In diesem Fall steht demnach Bn7 für die 7. Abfüllung von Bunnahabhain im Rahmen der Elements of Islay Abfüllungen, und diesmal - laut Aussage der Flaschenbeschreibung - handelt es sich um einen mindestens 16 Jahre alten Whisky. Jetzt wird vielleicht die Anspielung von Oben auf den 7. Himmel auch deutlich. Für mich als Chemiker geht bei diesem Etikettendesign natürlich das Herz auf, aber eben auch bei dem Inhalt. 



Somit kommen wir nun endlich zu den Tastingnotes, nach diesem ellenlangen Vorgeplänkel!

Aussehen: Bernstein mit leicht rötlichem Stich.

Nase: Sehr interessant, sehr frisch. Orangenzeste, Zitronengras und Vanille. Ein paar Kräuter, Minze, Thymian. Auf den Fuß folgt eine sehr frische Brise von Johannisbeeren, dann tritt frisches europäisches Eichenholz in den Mittelpunkt. In dem Batch muss ein First-Fill Sherryfass drin sein, anders kann ich es mir nicht erklären. Schokolade und Zitronenzeste, dunkle, trockene Früchte, Rumrosinen und Waldbeeren. Wow was für eine Wucht, die mir da in die Nase schießt. Der Alkohol ist spürbar, aber nicht all zu aufdringlich.

Moutfeel: Leichte Öligkeit, sehr wärmend und adstringierend. Mund-wässernd ohne Ende, aber nicht weil der Alkohol so stark ist (wahrscheinlich auch), aber einfach weil es so lecker ist. Schmeichelt meiner Zunge ungemein.

Geschmack: Spritzige Johannisbeeren und Waldbeeren starten durch, gefolgt von Chili-artiger Schärfe die auf der Zunge ein Feuerwerk auslöst. Eichenwürze kommt beinah weihnachtlich daher, Lebkuchengewürz, Granatapfel. Herrenschokolade mit Orangenzeste, gefolgt von Vanillekipferl und Zitrus. Irre Geschmackskontraste die dort zusammenwirken. Aber nicht nur die Orangenzeste ist spürbar, auch frisch gepresster Orangensaft, oder das Fruchtfleisch einer filetierten Orange. Von der Minze nichts zu erkennen, er wirkt sehr jugendlich. Definitiv eine Mischung aus First-Fill und Second-Fill Sherry Fässern. Soll Oloroso sein, wirkt aber wie PX Sherry. Ein voluminöser, spritziger Körper entspringt dem Destilleriecharakter. Eine leichte Schwefligkeit lässt sich erahnen, fügt sich gut in das Gesamtkonzept ein und bleibt weit im Hintergrund. Frische Eiche trifft Kaffee und Kakao. Wunderbar.

Nachklang: Mittellang, Beeren und Vanille, Eichenwürze und Kakao. Milchschokolade und Orange. Interessanter Nachklang, den ich so noch nicht hatte. Nicht zu komplex, eher differenziert.



Fazit: Ein wunderbarer Whisky, dem ich jetzt schon nachtrauere, wenn er leer ist. Ein unglaublich netter, angenehmer und ungestümer Geselle, der ein unglaubliches Orchester auf der Zunge ausgelöst hat. Schade, dass die 18 jährige Reife des Bunnahabhains sich nicht erahnen lässt, ich hätte ihn auf 10-13 Jahre geschätzt. Aber es stimmt schon, der Alkohol ist ganz anders eingebunden, als bei so einem jungen Vertreter. Wirklich interessant und spannend und es macht so einen Spaß, sich mit diesem Whisky länger zu beschäftigen, aber es macht genauso viel Spaß diesen Whisky einfach nur zu trinken. Ich kann nur jedem ans Herz legen sich diese Flasche zu kaufen. Da es vermutlich schwierig wird, jetzt noch eine Flasche zu bekommen: An alle, die diese Flasche im Regal stehen haben - reißen Sie sie auf, Sie werden es definitiv nicht bereuen.

Damit verbleibe ich, wie immer, mit einem: Gönnen Sie sich! 
Ihr Fine-Stuff Enthusiast

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